„Die Zukunft gehört denen,
die an die Schönheit ihrer Träume glauben.““

Eleanor Roosevelt

Die Vision

Stellen Sie sich ein Tal vor, dass sich entlang eines Flusslaufs von den Höhen eines Mittelgebirges bis zur Mündung dieses Flusses in den nächstgrößeren erstreckt. Etwa 70 km lang und flankiert von kleineren Tälern und Höhenzügen, aus denen Bäche in diese gemeinsame Lebensader strömen. Entlang des Flusses erstrecken sich Wälder und Weiden, Felder und Streuobstwiesen, reihen sich zahlreiche Dörfer sowie kleine und mittelgroße Städte. Ein Tal, das ca. 200.000 Menschen eine Heimat gibt.

Während früher viele der Bewohner*innen täglich zur Arbeit in die größeren Städte des Landes fuhren, haben mittlerweile die meisten wieder eine sinnvolle und erfüllende Beschäftigung vor Ort – bei der gemeinsamen Wiederaufforstung der Waldbestände, der Pflege von Streuobstwiesen und feldteilenden Anpflanzungen, der Arbeit in Gemüsegärtnereien nach dem Konzept der solidarischen Landwirtschaft, in neu gegründeten Dorfläden und Kulturcafes, beim Anbau nachwachsender Rohstoffe für regionales Bauen und heimische Textilien, beim Aufbau kleiner hölzerner Windräder an den Hängen oberhalb der Dörfer oder bei der energetischen Sanierung alter und der Errichtung neuer Häuser mit Baustoffen wie Holz, Stroh, Hanf und Lehm. Sie arbeiten in alten und in neu gegründeten Schulen und Lernortenetzwerken, die es den Kindern und Jugendlichen ermöglichen, sich ein tiefes Wissen über die Regeneration der Erde, die Neuausrichtung kultureller Werte und sozialer Beziehungen sowie einer solidarischen Wirtschaftsweise anzueignen. Und sie widmen sich der Einbeziehung und liebevollen Pflege der Ältesten, die nun wieder in Würde und mit vielen sozialen Kontakten ihren Lebensabend im Heimatort verbringen können.

Alle diese Unternehmungen sind in einem regionalen, nach sozialen und ökologischen Kriterien ausgerichteten Wissens- und Wirtschafts­netzwerk miteinander verbunden, teilen auf faire Weise Ressourcen und knowhow.

Längst schon orientieren sie sich nicht mehr an kurzsichtigen Profiten und Kennziffern eines abstrakten, wachstumsfixierten Bruttosozialprodukts – nein, ihr Augenmerk gilt der Regeneration aller wesentlichen Lebensgrundlagen: etwa der Rückgewinnung von Bodenfruchtbarkeit und intakter Wasserkreisläufe, der Pflege wertvoller Kulturlandschaften als einer Grundlage gesunder Artenvielfalt, einer zunehmenden Ernährungs­souveränität, der umweltschonenden Energie­gewinnung und Mobilität, der Vermeidung von Müll und der Entwicklung nachhaltiger Material­kreisläufe. Zugleich sind sie am Wohlergehen aller Menschen der Region und der kommenden Generationen ausgerichtet und üben sich zudem in Solidarität mit Regionen dieser Welt, welche Unterstützung brauchen bei der Anpassung an den Klimawandel, der Beilegung von Ressourcen­konflikten oder der Einführung umweltschonender technischer Innovationen in Verbindung mit einer  gemeinwohlorientierten, wachstumsbefreiten Gesellschaftsentwicklung.

Tatsächlich gibt es inzwischen einen reichen Erfahrungsschatz für ein erfolgreiches Zusammenwirken von engagierten Bürger*innen, ermöglichender Verwaltung, weitsichtigen Politiker*innen, verantwortungs­bewussten und innovations­freudigen Unternehmer*innen und unterstützenden Forscher*innen.

So tagt etwa der seit langem etablierte regionale Bürger*innenrat für Umweltschutz und Gemeinwohl regelmäßig an wechselnden Orten des Tals, informiert sich über erfolgreiche Wege und Praktiken anderer Wandelregionen, regt wichtige und lebensdienliche Veränderungen an gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen an und unterstützt regionale Verwaltungsmit­arbeiter*innen und Politiker*innen bei der enkeltauglichen Umstellung der Region auf ein „buen vivir“ – ein gutes Leben für alle im Einklang mit den Grenzen und Möglichkeiten unseres Planeten.

Nur ein Traum?

„Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann. Tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde.“

Margaret Mead