Projekt

Der Projektrahmen

Als im Herbst 2020 das Projekt „Klimaschutzregion Ilmtal“ im Zeughaus Bad Berkas seinen Auftakt erlebte, beteiligten sich mehr als 70 Menschen aus Thüringer NGOs, Unternehmen, Forschung, Verwaltung und Politik. Sie tauschten sich aus über klimaschützende Landwirtschaft und innovativen Holzbau, über Agroforstsysteme und kommunale Nahwärmenetze, über regionale Wirtschaftskreisläufe und regenerative Stromerzeugung – beispielsweise mit Agriphotovoltaik: dem geschützten, landwirtschaftlichen Anbau unter aufgeständerten Solarmodulen zur doppelten Landnutzung. Und für einen kostbaren Moment stand auch die persönliche Motivation im Mittelpunkt – die ganz eigene Betroffenheit angesichts einer sich zuspitzenden Klimakrise, dramatisch voranschreitender Artenverluste und eines Wirtschaftssystems, das längst das Wohl der Menschen und der Umwelt in einem Teufelskreis aus Wachstum, Konsumismus und Renditeversprechen aus dem Blick verloren hat.

Wollen wir die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen und die Klimaziele des Pariser Abkommens erfüllen, bleibt keine Zeit zum Zögern. Die Tatsache, dass Thüringen in den letzten Jahren Dürreschäden in ungekanntem Ausmaß erlitt, dass die Ilm wie auch andere Flüsse in ihrem Flussbett versiegte und Klimaforscher*innen Deutschland für das Jahr 2100 ein Klima wie in Algerien voraussagen, hat aus Halbherzigkeit längst Fahrlässigkeit gemacht.

projekt-grafiki

Folgerichtig entschlossen sich denn auch viele der Teilnehmer*innen zur Mitwirkung an einer der mittler-weile regelmäßig tagenden, thematischen Arbeitsgruppen des Projekts. Gemeinsam engagieren sie sich in diesem über das BMBF-Programm „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ geförderten Projekt für eine CO2-neutrale, ressourcenschonende und gemeinwohlorientierte Kreislaufwirtschaft im Ilmtal. Sie wissen: wenn es einer Region gelingt, endlich einen fundamentalen Wandel in unserer Lebens- und Wirtschaftsweise einzuleiten, werden andere folgen.

Und so vereint das gemeinsam von der FH Erfurt sowie dem SolarInput e.V. geführte Vorhaben denn mehr und mehr Akteur*innen aus der Region, wird von den beiden Landkreisen Weimarer Land und der Stadt Weimar und auch von den für diese Thematik relevanten Thüringer Ministerien unterstützt.

Bis Ende Mai werden alle Beteiligten gemeinsam eine Strategie für die Region aufstellen – einen Fahrplan sowohl für die Regeneration ihrer ökologischen Lebensgrundlagen als auch für die Renaissance eines Wirtschaftens, welches sich Umweltschutz und Gemeinwohl zu zentralen Anliegen macht. Sie werden erste Modellprojekte und konkrete Forschungsaufgaben entwickeln und mit diesen auch an gute und „enkeltaugliche“ Erfahrun-gen und Kompetenzen der Region anknüpfen. Und sie werden sich bemühen, viele Menschen mit in´s Boot zu holen. Denn erst, wenn das Bewusstsein für die globale Notlage bei allen ankommt, wird es in eine starke gemeinsame Ausrichtung für eine zukunftsfähig aufgestellte Region münden. So reicht die Bandbreite der Bürger*innenbeteiligung und Öffentlichkeitsarbeit denn auch von thematischen online-webinaren zu Regio-nalforen, von Klimacamps mit Kindern und Jugendlichen zu öffentlichen Filmaufführungen, von Zeitungs-, Radio- und Fernsehbeiträgen bis zum Schulterschluss mit anderen Regionalbündnissen und internationalen Kooperationen.

Gelingt es, mit dem bis Mai erarbeiteten Konzept für eine geförderte Umsetzungsphase von sechs Jahren ausgewählt zu werden,
können die gemeinsam entwickelten Vorhaben mit insgesamt bis
zu 15 Mio. € Förderung und darüber hinaus gehender öffentlicher Unterstützung rechnen.